PFAS in Industrie- und Brandschutzsystemen beseitigen: Technische Schlüsselfaktoren

August 2026

PFAS in Industrie und Brandschutzsystemen beseitigen: Technische Schlüsselfaktoren für wirksame Maßnahmen

Die Entfernung von PFAS aus einer Industrieanlage erfordert mehr als lediglich deren Entleerung und eine konventionelle Reinigung. Die Wirksamkeit des Verfahrens hängt von der Konstruktion des Systems, den verwendeten Materialien, seiner Betriebshistorie sowie den während der Durchführung verfügbaren Rahmenbedingungen ab.

Ein zugänglicher Behälter stellt nicht dieselben Anforderungen wie ein weit verzweigtes Rohrleitungsnetz mit Pumpen, Ventilen, Messinstrumenten und Abzweigungen. Daher muss das Verfahren an die jeweilige Anlage angepasst und auf der Grundlage technischer Kriterien festgelegt werden.

1.Geometrie und Konfiguration des Kreislaufs

Die Geometrie bestimmt, ob die Reinigungslösung sämtliche Oberflächen erreichen und mit dem erforderlichen Volumenstrom, der notwendigen Temperatur und der vorgesehenen Kontaktzeit zirkulieren kann. Vor Beginn der Maßnahmen sollten folgende Aspekte geprüft werden:

  • Gesamtvolumen des Systems.
  • Länge und Durchmesser der Rohrleitungen.
  • Rohrbögen, Reduzierstücke und Querschnittsänderungen.
  • Blindleitungen oder Leitungsabschnitte mit geringer Zirkulation.
  • Böden von Behältern.
  • Einspeise-, Rücklauf-, Entleerungs- und Entlüftungspunkte.
  • Möglichkeit zur Einrichtung eines geschlossenen Kreislaufs.

Pläne und isometrische Darstellungen ermöglichen es, den Strömungsverlauf im Voraus zu beurteilen. Sie sollten jedoch mit der tatsächlichen Konfiguration der Anlage abgeglichen werden, wenn nicht dokumentierte Änderungen vorgenommen wurden.

2. Toträume und Restvolumina

Ein System kann noch Produkt enthalten, selbst wenn keine Flüssigkeit mehr austritt. Rückstände, die in Ventilen, Pumpen, Messinstrumenten, Schläuchen oder geschlossenen Abzweigungen zurückgehalten werden, können während der Behandlung erneut in den Kreislauf gelangen oder das Ersatzprodukt zu einem späteren Zeitpunkt kontaminieren.

  • Nicht entleerbare Behälterböden.
  • Pumpengehäuse.
  • Ventile und Stellantriebe.
  • Messanschlüsse.
  • Leitungsabschnitte ohne Zirkulation.
  • Schläuche und flexible Verbindungen.

Je nach Auslegung der Anlage kann es erforderlich sein, einzelne Komponenten abzusperren, auszubauen oder separat zu behandeln.

3. Werkstoffe und chemische Verträglichkeit

Die verwendete Lösung muss mit sämtlichen Komponenten des Systems kompatibel sein, nicht nur mit dem Hauptwerkstoff des Behälters oder der Rohrleitung. Eine Anlage kann Edelstahl, Kohlenstoffstahl, Kunststoffe, Dichtungen, Elastomere, Beschichtungen und empfindliche Messtechnik miteinander kombinieren.

  • Metallische Werkstoffe und Kunststoffe.
  • Dichtungen, Abdichtungen und Elastomere.
  • Innenbeschichtungen.
  • Pumpen und Messinstrumente.
  • Maximal zulässige Temperaturen.
  • Verträglichkeit mit dem nachfolgend eingesetzten Produkt.

Auch der Zustand der Oberflächen spielt eine Rolle. Korrosion, Rauheit oder vorhandene Ablagerungen können den Prozess erschweren und eine Anpassung der Vorgehensweise erforderlich machen.

4. Betriebsparameter

Die Entfernung von PFAS hängt nicht ausschließlich von dem eingesetzten chemischen Produkt ab. Das Ergebnis wird auch durch die Prozessparameter beeinflusst:

  • Konzentration der Lösung.
  • Arbeitstemperatur.
  • Kontaktzeit.
  • Volumenstrom und Zirkulationsgeschwindigkeit.
  • Grad der Turbulenz.
  • Anzahl der Zyklen.

Eine unzureichende Zirkulation kann dazu führen, dass Bereiche unbehandelt bleiben, während zu aggressive Bedingungen Dichtungen, Beschichtungen oder Hilfskomponenten beeinträchtigen können. Bei weit verzweigten Netzen kann es sinnvoll sein, die Anlage in einzelne Abschnitte zu unterteilen.

5. Vermeidung von Kreuzkontaminationen

Pumpen, Schläuche, Hilfsbehälter und Anschlüsse müssen kontrolliert gehandhabt werden. Kontaminierte Hilfsmittel können PFAS erneut in bereits behandelte Anlagenkomponenten eintragen oder in andere Bereiche des Werks verschleppen.

  • Hilfsmittel dürfen nicht ohne vorherige Überprüfung ihres Zustands in verschiedenen Kreisläufen eingesetzt werden.
  • Rückläufe aus verschiedenen Bereichen dürfen nicht miteinander vermischt werden.
  • Pumpen oder Schläuche dürfen nicht ohne vorherige Kontrolle wiederverwendet werden.
  • Das neue Produkt darf erst nach Abschluss der Überprüfung eingefüllt werden.
  • Abfälle dürfen nicht in ursprünglich nicht betroffene Anlagenkomponenten verbracht werden.

6. Zertifizierung gemäß der Verordnung (EU) 2025/1988

Die Zertifizierung des Verfahrens muss durch eine spezifische PFAS-Analyse in einem externen Labor erfolgen. Als Referenz dient die Verordnung (EU) 2025/1988 der Kommission vom 2. Oktober 2025. Diese Verordnung ändert Anhang XVII der REACH-Verordnung hinsichtlich PFAS in Feuerlöschschäumen.

  • Repräsentative Probenahme des nach der Reinigung eingefüllten fluorfreien Schaummittels.
  • Analyse der Summe aller PFAS durch ein qualifiziertes externes Labor.
  • Rückverfolgbarkeit der Proben, der behandelten Anlage und des eingefüllten Produkts.
  • Akzeptanzkriterium: Konzentration von weniger als 50 mg/l für die Summe aller PFAS, entsprechend etwa 50 ppm in einer wässrigen Matrix.
  • Ausstellung des Analyseberichts und des zugehörigen Dekontaminationszertifikats für die behandelte Anlage.

Der regulatorische Grenzwert gilt für fluorfreie Feuerlöschschäume aus Anlagen, die nach den besten verfügbaren Techniken gereinigt wurden, mit Ausnahme tragbarer Feuerlöscher. Die Zertifizierung muss die Einhaltung der Anforderungen vor der endgültigen Inbetriebnahme des Systems bestätigen.

7. Für die Planung der Maßnahme erforderliche Informationen

Je mehr Informationen über die Anlage verfügbar sind, desto präziser lässt sich der Umfang der Maßnahme festlegen:

  • Pläne und isometrische Darstellungen.
  • Volumina der Anlagenkomponenten und Kreisläufe.
  • Konstruktionswerkstoffe.
  • Historie der verwendeten Produkte.
  • Druck- und Temperaturgrenzen.
  • Anschlusspunkte.
  • Verfügbares Zeitfenster für die Anlagenabschaltung.
  • Bedingungen für die Inbetriebnahme.

Sind diese Angaben unvollständig, ermöglicht eine vorherige technische Inspektion, die tatsächliche Konfiguration des Systems zu bestätigen und Unsicherheiten zu reduzieren.

Eine spezifische Lösung für jede Anlage

Die Entfernung von PFAS aus Industrieanlagen und Brandschutzsystemen erfordert eine Anpassung des Verfahrens an die Geometrie, die Werkstoffe, die Toträume, die Zugänglichkeit und die produktionstechnischen Rahmenbedingungen. Nicht alle Systeme können mit einem standardisierten Verfahren behandelt werden.

Lagupres analysiert diese Faktoren, um die geeigneten Zirkulationsbedingungen, die erforderlichen Hilfsmittel sowie die Zertifizierung gemäß den für das jeweilige Projekt geltenden Anforderungen festzulegen.

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